reflections

Dort steht sie...

Und dort steht sie. Still und erbarmungslos hält ihr enger Blick mich in der Gewalt. Die Farbe ihrer Augen, wie geschmolzenes Gold, elfenhaft, in sich gefangen. Ihre Augen und das tosende, weiße Meer. Meine Iriserstarrt. Mein Atem stockt. Ihr langes Haar, aus gelben Fäden gesponnen. Fließende Bäche aus Schimmer und Licht, eingehüllt in die Dunkelheit.
Glas gefriert. Ihr Umhang schwenkt im Wind, kalt und unnachgiebig dringt er in sie ein, zirkuliert in ihrem Blut.
Das Lächeln auf ihren Lippen, der süßeste Kuss, aus weißer Schokolade. Als würde es Stück für Stück, von ihren Lippen abblättern. Wie Risse im Schnee.
Eine Melodie kommt mir in den Sinn. Eine Melodie, harmonisch, ausgeglichen. Immer derselbe Rhythmus. Drehen. Schreien. Im Kreis.
Sie steht nur da und sieht in meine matten, toten Augen. Sieht die zerbrochene Maske am Boden, zählt die Splitter, die Keramik fetzen im Wirbel der Nacht. Sieht das weinrote, lange Abendkleid und den sternlosen, all umfassenden, Himmel.
Sie, deren Gesicht alle tragen. Das, vergessen, in mir verschlossen und verloren wurde. Alle tragen sie dasselbe Gesicht, dieselben Masken, im Schatten des Lichts.
Verloren krabbelt sie mir entgegen. Die Hände zu Klauen verbogen drängt sie durch die Erde. Ihr goldenes Haar im braunen Schlamm.
Die Melodie bricht ab, es wird still, um mich herum.
Ihre dünnen Finger greifen nach meinen, fließen ineinander, während ihr Griff fester wird. Das Kratzen, das Geräusch vieler kleiner Füße auf meiner Haut. Ihre Nägel aus Stahl. Der süße Geruch von Blut, bitter nach Metall und Salz.
Das weiße Meer aus Kristallfäden.
Sie stößt es in mich hinein. Stück für Stück. Sie reflektiert das Licht. Jedes einzelne. Wie ein Meer aus kleinen Sternen, fallen sie in den roten Bach.
Der Geruch von Minze liegt in der Luft, die wunderbare Luft, die ihr Haar umspült, während sie mich küsst. Der Kuss aus Schokolade.
Fast durchsichtig schimmert ihre Haut. Die Ränder der Sonne brennen sich in ihr fest, nur um zu verschwinden. Denn sie ist mein Fluch.
Sie sitzt nur da, wie nur sie sein kann. Jeden Atemzug, jede Bewegung hätte ich erkannt. Selbst unter tausenden hätte ich sie gefunden, wäre sie ein Staubkorn gewesen.
Denn zu töten, ist die einzige Art zu lieben, die wir kennen.

2.9.09 16:39

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Maccabros / Website (2.9.09 21:19)
Tote Augen, Klauenhände,
der Geruch ist süß von Blut,
tiefgetränker Kuss aus Seide,
Melodie, gib mir den Mut...


das ist eine sehr bildhafte, inspirierende Geschichte, die gefällt.

Maccabros

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen


Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung